Der rote Punkt

Der rote Punkt – die 24-jährige Japanerin Aki Onodera (Yuki Inomata) lebt in Tokio und befindet sich kurz vor dem Ende ihres Studiums. Sie möchte sich danach voll und ganz auf die Jobsuche konzentrieren und mit ihrem Freund zusammen eine gemeinsame Zukunft aufbauen. Jedoch wird sie in der Nacht von schrecklichen Träumen heimgesucht, welche sie vollkommen aus der Bahn werfen. Bei diesen Träumen handelt es sich um ein schicksalhaftes Ereignis aus ihrer frühsten Kindheit, bei welchem eine Autofahrt auf tragische Art und Weise endete.

Cover zum Film der rote Punkt

Um ihrer vergessenen Vergangenheit wieder auf die Sprünge zu helfen, begibt sich Aki in das Haus ihrer Pflegeeltern, um auf Spurensuche zu gehen. Sie findet schließlich in einer Abstellkammer einen verschlossenen Karton, welcher wohl schon vor einer längeren Zeit dort platziert wurde. Darin findet sie einen alten Fotoapparat und einen vergilbten Umschlag. Als sie den Fotoapparat genauer unter die Lupe nimmt, bemerkt sie, dass sich darin ein noch nicht entwickelter Film befindet. Außerdem findet sie noch einen Brief und eine Landkarte, auf welcher ein roter Punkt an einer gewissen Stelle markiert wurde. Aki fragt sich deshalb insgeheim, ob der unentwickelte Film und der rote Punkt auf der Landkarte die Lösung auf alle ihre unbeantworteten Fragen ist. Sie lässt kurz darauf den Film entwickeln und die alten Familienbilder wecken ihre Neugier. Die junge Japanerin begibt sich darauf trotz der Intervention ihrer Pflegeeltern und ihres Freundes auf die lange Reise nach Deutschland, um sich auf die Suche zu machen. Sie möchte den geheimnisvollen Ort finden, welcher als roter Punkt auf der alten Landkarte eingezeichnet wurde.

Aki steigt schließlich im ländlichen Aufkirch im Ostallgäu ab, wo sie sich auf den Weg zur nächsten Polizeistelle macht. Dort angekommen trifft Aki auf den 18-jährigen Elias Weber (Orlando Klaus), der gerade von der Polizei wegen eines Raserdelikts mit seinem Motorrad vernommen wird. Ein wenig später erscheint sein Vater Johannes Weber (Hans Kremer) auf der Wache, um seinen Sohn wieder nach Hause zu bringen. Die Polizei bittet ihn darauf, Aki mitzunehmen, da ihr Reiseziel praktisch einen Steinwurf vom Haus der Webers entfernt liegt. Auf Akis Wunsch hin setzen die beiden die Japanerin an einem abgelegenen Waldrand ab und fahren anschließend weiter. Gleich nach dem Abendessen fährt Elias zusammen mit seiner Schwester los, um sein Motorrad abzuholen. Auf dem Weg dorthin bemerken die Geschwister, dass die völlig durchnässte Aki vom Regen überrascht wurde und verzweifelt nach einer Schlafgelegenheit sucht. Elias und seine Schwester nehmen die entkräftete Japanerin darauf in die Stadt mit, damit sie die Nacht in einem Hotelzimmer verbringen kann. Doch leider findet sich kein freies Zimmer mehr für Aki, worauf die beiden Geschwister beschließen, der erschöpften jungen Frau ein Gästezimmer im Haus der Familie Weber anzubieten.

Gleich am nächsten Tag beschließt der motivierte Elias, Aki bei ihrer Suche nach dem geheimnisvollen Ort tatkräftig zu unterstützen. Trotz aller anfänglicher Verständigungsprobleme mit Aki erfährt er schließlich, dass es an diesem besagten Ort einen Gedenkstein geben soll, welcher damals vor 18 Jahren für Aki’s biologische Eltern aufgestellt wurde. Weiter erfährt er, dass ihre Eltern auf tragische Art und Weise genau an diesem Ort bei einem schrecklichen Autounfall ums Leben gekommen sind. Später am Abend kommt es im Haus der Webers zwischen Vater und Sohn zu einem lautstarken Streit, wo dem Vater plötzlich in der Hitze des Gefechts die Hand ausrutscht. Nachdem Elias nach der Ohrfeige fluchtartig das Haus verlässt, folgt der reuige Vater seinem Sohn. Es wird nun immer deutlicher, dass Akis Anwesenheit unwillkürliche Spannungen innerhalb der Familie Weber auslöst, was aber überhaupt nicht ihre Absicht ist. Diese Spannungen sind auf ein bisher unbekanntes Geheimnis innerhalb der Familie zurückzuführen, welches nun immer mehr ans Tageslicht kommt. Als Aki endlich an dem gesuchten Ort ankommt, ist jedes der Familienmitglieder gezwungen, sich mit seiner Vergangenheit auseinanderzusetzen, um einen Neuanfang starten zu können.

Hintergrund zum Film – Der rote Punkt

Der Film basiert auf der wahren Begebenheit der Familie Tsuda aus Japan. Am 4. Oktober 1987 wurde der Vater, die Mutter und deren gemeinsame Tochter bei einem sogenannten Unfall mit Fahrerflucht auf der Bundesstrasse 17 getötet. Diese Strasse befindet sich in der Nähe von dem im Film erwähnten Ort, welcher mit dem roten Punkt auf der Karte gekennzeichnet wurde. Nur der kleine Sohn überlebte diesen schrecklichen Unfall. Dem Unfallverursacher konnte leider nie der Prozess gemacht werden, da ihn die Polizei nie identifizieren konnte. Der kleine Junge wurde nach dem Tod seiner Familie von japanischen Verwandten aufgenommen und großgezogen. Direkt bei der Unfallstelle befindet sich tatsächlich ein Gedenkstein, welcher an die tödlich verunglückte Familie erinnern soll. Bei dem im Film gezeigten Gedenkstein handelt es sich jedoch nicht um das echte Exemplar. Der Text auf dem Stein wurde aber originalgetreu Wort für Wort zitiert, wiederum wurden die Daten und die Namen verändert.

Fazit zu der rote Punkt

Der Film „Der rote Punkt“ wurde in Japan und in Deutschland gedreht. Jedoch spielt der Film größtenteils in Süddeutschland. Das idyllische und gleichzeitig melancholische Allgäu war wahrscheinlich gerade wegen seiner Weiden und Wälder ein geeigneter Schauplatz für diesen Film, da dieser Ort die ernste und melancholische Stimmung der Geschichte perfekt widerspiegeln konnte.

Der Dialog zwischen Vater und Sohn bleibt im Film durch deren Konflikt deutlich auf der Stecke. Größtenteils gehen sich die beiden Streithähne aus dem Weg, da der Vater sowieso nicht mehr an eine Annäherung mit seinem Sohn glaubt. Die Dramatik fehlt bei diesem Vater-Sohn-Gespann auf der ganzen Linie. Nicht anders sieht es bei der sich aufkeimenden Romanze zwischen Aki und Elias aus, wo die Romantik total beiseite geschoben wurde.

Trotz allem ist es aber offensichtlich, dass die Regisseurin die Rollen ihrer Schauspieler ernst nimmt und dementsprechend auch versucht, die ach so typischen Klischees aus Japan zu vermeiden. Auf der anderen Seite möchte sie es sich aber nicht nehmen, im Film ein paar witzige Sticheleien auf Kosten der Deutschen bezüglich deren Verständnislosigkeit für die japanische Kultur und Lebensweise zu präsentieren.

Grundsätzlich wird im Film aber deutlich, dass die Kommunikation eher ein nebensächliches Thema ist. Vater und Sohn sprechen sowieso nur gerade das Nötigste miteinander, während Aki wegen ihrer äußerst bescheidenen Deutschkenntnisse versucht, sich mit Händen und Füssen zu artikulieren. Da der Film aber wegen seiner langsamen Erzählungsweise eher ruhig und gelassen daher kommt, kann der Zuschauer die dürftige Kommunikation dank der wunderschönen landschaftlichen Bildern ausgleichen, da Bilder ja bekanntlich mehr sagen als 1000 Worte.

Die schauspielerische Leistung von Yuki Inomata ist überaus positiv zu bewerten, da sie das traurige und sensible Wesen der Hauptfigur perfekt in Szene setzt. Orlando Klaus wiederum spielt die Rolle des 18-jährigen Rebellen Elias Weber mit viel Gefühl und Herz, während sein Filmvater Hans Kremer immer wieder aufs Neue beweist, dass er nicht ohne Grund in der oberen Schauspielliga mitspielt. Neben der schauspielerischen Glanzleistungen fallen auch die malerischen Landschaften bei diesem Film ins Gewicht, welche regelrecht zum träumen einladen.

Abschließend ist zu sagen, dass „Der rote Punkt“ ein überaus vielversprechender und sehenswerter Film ist. Mit seiner gemütlichen und melancholischen Erzählungsweise und nicht zuletzt wegen der deutsch-asiatischen Einflüsse spielt er sich problemlos in die Herzen der Zuschauer.

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