Eine ganz heiße Nummer – der Telefonsex Film

Telefonsex als Film, geht das? Der Film Eine ganz heiße Nummer zeigt auf amüsante Art und Weise, das es sehr gut möglich ist. Eigentlich wollten die drei unterschiedlichen Frauen aus der streng katholischen Gemeinde Marienzell im Bayerischen Wald den beruflichen Lebensabend in ihrem Tante-Emma-Laden verbringen. Doch nach der Pleite der Glashütte im Ort, bleiben Maria und Waltraud, nebst Verkäuferin Lena, die Kunden aus. Und die Bank kündigt obendrein den Firmenkredit. Eine Telefonsex-Hotline soll heimlich für Zusatzeinnahmen sorgen, doch die Dorfgemeinschaft erfährt davon. Ein Fackelzug wütender Katholiken macht sich auf den Weg zum Haus der Frauen.

Eine ganz heisse Nummer – Besetzung / Darsteller, Regie und Drehorte

Die Gemeinde Gottszell in Niederbayern wurde 2010 als Drehort für die deutsche Filmkomödie ausgewählt und für rund 6 Wochen drehte sich dort (fast) alles um Stöhnanrufe, den Niedergang der Tante-Emma-Kultur und die persönliche Entwicklung von drei starken Frauen. Maria Brandner, gespielt von Bettina Mittendorfer, und Waltraud Wackernagel, dargestellt von Gisela Schneeberger haben es nicht leicht. Auch für Verkäuferin Lena, alias Rosalie Thomass, kommt die Firmenpleite der ortsansässigen Glashütte ungelegen.

Sie alle wachsen an den Problemen und Krisen, so war es auch schon im Buch von Autorin Andrea Sixt, dass dem gleichnamigen Film „Eine ganz heiße Nummer“ als Vorbild diente. 2011 sahen den Film mehr als eine Million Besucher in den Filmtheatern und machten ihn damit zur zweiterfolgreichsten Produktion deutscher Arthouse-Kunst. Platz 8 der erfolgreichsten deutschen Kinopremieren kam noch hinzu und Bettina Mittendorfer erhielt im gleichen Jahr den Bayerischen Filmpreis für ihre Darstellung der Maria Brandner.

Handlung & Story vom Film Eine ganz heiße Nummer

Waltraud, Maria und Lena sind schlagfertig und ideenreich. Das müssen sie auch sein, denn die Geschäfte laufen nicht gut im „Lebensmittel Brandner“. Ein Aldi macht in der nächsten Stadt billige Konkurrenz und obendrein ist die Glashütte zahlungsunfähig, was zur Folge hat, dass auch Marias Brands Mann arbeitslos wird. Als die Geschäfte kurz vorm Erliegen sind, geht der verhängnisvolle Anruf ein. Ein obszöner Anrufer stöhnt in den Hörer und bringt die rettende Idee. Eine Telefonsex Hotline ist eine saubere Sache, diskret und leicht verdientes Geld.

Als Sarah, Lolita und Maya machen sich die drei lustvollen Damen ans Werk. Während vorne der Brötchenverkauf stagniert, wird hinten fleißig gehechelt und gestöhnt. Die ersten 7000€ füllen die leeren Tante Emma Kasse da steht schon das nächste Problem vor der Tür. Die Bayernbank kündigt den Firmenkredit auf und will innerhalb von 4 Wochen das Geld.

Bayerisch derb mit rollendem R und jeder Menge pikantem Humor setzen die drei ungleichen Frauen aus der katholischen Gemeinde ihre delikate Geschäftsidee um und zuerst läuft es auch glatt mit dem erotischen Telefonservice, der mit Handzetteln und dem Slogan „Das Allerbeste aus unserer Heimat“ beworben wird.

Der heiße Draht floriert und mit den gestiegenen Einnahmen wächst auch das Selbstbewusstsein der drei Frauen. Die Pleite scheint abgewendet, doch der hochnäsigen Bürgermeistergattin passt das elitäre Getue der drei ehemaligen Landpomeranzen so gar nicht und so lässt sie die drei beschatten. Schnell ist klar, dass sie sich mit einer Sexhotline die Brötchen verdienen und nicht mit frischen Teiglingen.

Der Wirbel ist groß, zumal sich der Dekan der Fotos in der Lokalzeitung nicht entbehren kann, die die Damen bei ihrer täglichen Stöhnarbeit zeigen. Dieser war gerade in Marienzell, um sich die Entwürfe für die Fenster im Regensburger Dom zeigen zu lassen. Empört verlässt er ohne lukrativen Auftrag für die Gemeindekasse den Ort der Sünde.

Frivole Nebenjobs passen so gar nicht in das streng kirchlich geprägte Dorfbild und obwohl der ein oder andere Bewohner die heiße Nummer bereits kennt und nutzt, formiert sich ein wütender Mob. Und so machen sich alte Grantler, triebige Greise und archetypische Originale mitsamt Bürgermeistergattin und Pfarrer und brennender Fackeln zum Haus der Lust auf.

Dort angekommen gibt es aber statt Reuebekundungen und lauten Rufen nach Erlösung vor allem eins für die verlogene Dorfgemeinschaft: Eine deutliche und unchristliche Ansage von Maria, denn schließlich ist das pöbelnde Volk schuld an dem finanziellen Dilemma. Und ihr lautes Gestöhne nur ein stiller Schrei als Aufruhr gegen das Finanzsystem, die Wirtschaftskrise und die Macht der großen Discounter.

Denn während die Dorfbewohner Aldi & Co. die Türen einrennen, bleiben im Dorf die Türen des einzigen Lebensmitteluniversums bald geschlossen. Statt Fegefeuer gibt es ein gestärktes Selbstbewusstsein der drei Landfrauen und den Spiegel der Moral vorgehalten, für alle die, die sich hinter der Fassade von Erzengeln und Aposteln verstecken.

So macht sich am Ende Maria auf den Weg nach Südamerika, wo sie sich selbst finden will und sich freimachen kann von falscher Moral und finanziellen Sorgen. Und vielleicht trifft Sie ja doch noch den Bewunderer ihrer stimmlichen Kunst, einen Anrufer aus der Telefonsex Hotline, der sie unbedingt persönlich treffen will.

Fazit & Kritik zum Film Eine ganz heiße Nummer

Es ist nicht alles so katholisch, wie es auf den ersten Blick erscheint. So oder ähnlich könnten eine Zusammenfassung des Films lauten. Es wird nicht gespart an frivolem Sextalk, einer triebgesteuerten Männerwelt und jeder Menge bayerischer Klischees. Dazu darf es aber nicht allzu anzüglich werden, denn es ist ja ein Film für das breite Publikum, das Markus Goller aus dem Drehbuch von Andrea Sixt umsetzen soll. Das gelingt ihm besonders dank der drei Hauptdarstellerinnen, denen man die Scham über den Telefonsex inmitten ihrer gläubigen Dorfatmosphäre glaubhaft abnimmt.

Die drei Protagonistinnen schaffen den finanziellen Aufstieg und machen aus der Not eine Tugend. Sie emanzipieren sich, während das Sittenbild des katholisch-bürgerlichen Milieus einer bayerischen Gemeinde ins Wanken gerät. Der abgeklärte Stadtmensch mag die Story nicht immer als zeitgemäß und glaubwürdig erscheinen, jedoch ist sie in vielen kleinen Gemeinden fernab von hektischer Zivilisation und modernem Lastertum durchaus noch immer präsent.

Die Berührungsängste vor dem lukrativen Nebenjob per Telefon sind deutlich spürbar und es bedarf einiger Figuren im Film, die Spannung zwischen Tradition und Moderne aufzuzeigen. Doch Goller schafft dies mit einem publikumsorientiertem und gagreichen Ratgeber, in denen die drei symphytischen Frauen sich gegen alle Widerstände auflehnen. Sei es die biestige Bürgermeistergattin oder der strenge Pfaffe, sie alle werden im Laufe des Films die Hosen runter lassen müssen. Der heitere Charm der Sittenkomödie wird verstärkt durch bajuwarische Komik, deftigen Kontrasten und der sanft dahinplätschernden Musik, die den eh schon gemütlich daher plätschernden Film noch mehr in die Länge zu ziehen versucht.

Aber das gemächliche Tempo ist gewollt und so ist eine trockene Satire entstanden, in der die Figuren Luft zum Atmen haben und sich gegen ihr Schicksal auflehnen. Dabei wird sanft die traurige Geschichte von Maria erzählt und auch Waltraud zeigt sich bemerkenswert sanft und leise. Auch Lena darf den Blick hinter die Fassade zulassen und merkt der Zuschauer schnell,dass sich hinter der Sexbombe ein keusches Mädchen verbirgt.

Am Ende ist die erfolgreiche Filmkomödie genau das: Eine triumphale Komödie für die Moral und gegen die falsche Sittlichkeit, mit liebevollen Heimatbildern inszeniert, mit beherzten bayerischen Anekdoten und drei wunderbaren Hauptdarstellerinnen. Ein Frauenfilm eben.

Comments are closed.