Manderlay (Film)

Der Film Manderlay spielt in den USA, im Jahr 1933. Nachdem die Mulligans Gangster-Autokolonie auf der Flucht vor der Justiz des Nordens ein Versteck in Alabama gefunden hat, verweigert die verwöhnte, naive Tochter Grace die Weiterreise. Nachdem sie die Baumwollplantage in Manderlay die unter den Sklavereiregeln geführt wird, genannt Mams Gesetz, gesehen hat kann sie einfach nicht weiterfahren. Grace ist empört, und als die Matriarchin stirbt, beschließt sie, zusammen mit einer kleinen Gruppe von Wachen in Manderlay zu bleiben.

Sie möchte den Sklaven helfen, autarke, produktive Bürger zu werden. Ihre neuen Schüler erweisen sich als wankelmütig, dumm und selbstsüchtig, außer dem alten Willem. Ihre Unwissenheit in der südlichen Farmwelt bedeutet im Endeffekt, dass mehr Probleme geschaffen werden, als gelöst. Als ihr Vater zurückkehrt, um sie abzuholen oder für immer aufzugeben, ist sie diejenige, die am meisten gelernt und sich verändert hat.

Manderlay – Besetzung / Darsteller, Regie und Drehorte

Manderlay ist der zweite Teil einer Trilogie-Serie mit dem Titel „USA – Land der Möglichkeiten“ von Regisseur Lars von Trier. Wenn Sie den Film Dogville bereits kennen, werden Sie die Techniken, die in der Fortsetzung Manderlay verwendet werden, nicht überraschen. Er ist ähnlich, mit bloßen kantigen Sätzen, Kreidezeichnungen auf dem Boden, um Räume zu bezeichnen, imaginäre Türen mit Soundeffekten und den erschütternden Kameraausschnitten. Es wirkt wie eine bessere Aufnahme eines Theaterstücks, mit ein paar kleineren Requisiten. Einer Erzählung von John Hurt folgend und Zwischentiteln als Auftakt zu den verschiedenen Kapiteln – hier gibt es acht.

In den Hauptrollen sehen wir William Dafoe, der häufig in Lars von Trier Filmen mitwirkt. So bereits in Antichrist oder Nymph()maniac. Brice Dallas Howard spielt die Tochter Grace Margaret Mulligan. Ansonsten spielen noch Jeremy Davies, Željko Ivanek, Jean-Marc Barr, Chloë Sevigny, Lauren Bacall und Udo Kier im zweiten Teil mit.

Der Film erhielt eine Auszeichnung und eine Nominierung. Zum einen den Sonderpreis bei dem internationalen Filmfestival von Valladolid im Jahr 2005 und die Nominierung für die goldene Palme bei den Filmfestspielen von Cannes im gleichen Jahr.

Handlung & Story vom Film Manderlay

Nachdem Grace Mulligan und ihr Vater das Dorf Dogville hinter sich gelassen haben, machen sie sich auf den Heimweg nach Denver. Grace Vater muss das Geschäft dort wieder aufleben lassen. Auf ihrem Weg kommen sie an einem Anwesen namens „Manderlay“ vorbei. Sie machen eine kurze Pause, als eine junge Afroamerikanerin ihren Wagen anhält und um Hilfe bittet. Grace folgt der Frau und findet eine Sklavenfarm vor, obwohl die Sklaverei bereits vor 70 Jahren abgeschafft worden war. Grace kann dies nicht einfach hinnehmen, sie beschließt zu bleiben.

Sie sieht wie ein junger Schwarzer von einem Weißen ausgepeitscht wird und greift ein. Daraufhin wird sie von der Plantagenbesitzerin Mam mit einer Schusswaffe bedroht. Die Handlanger ihres Vaters retten sie jedoch. Mam stirtb bald darauf und Grace findet unter ihrem Bett ein Gesetzesbuch. Mams Gesetz beschreibt einen Verhaltenskodex, an den sich die Weißen halten müssen wenn es um den Umgang mit den Sklaven geht. Nach gründlicher Durchsicht fühlt Grace sich verpflichtet, die Gräueltaten wieder gutzumachen. Sie beschließt zu bleiben. Ihr Vater hält zwar nichts von der Idee, aber er lässt ihr fünf seiner Handlanger bevor er geht. Sie versucht in den kommenden Tagen, den Schwarzen Demokratie und Selbstverwaltung nahe zu bringen.

Anders als erwartet, sind die Neger nicht besonders zufrieden mit ihrer neugewonnenen Freiheit. Sie müssen weiterhin auf der Farm arbeiten, es ist eine Notwendigkeit die Felder zu bestellen um zu überleben. Grace fühlt sich bald zu einem der Schwarzen angezogen. Timothy, der angeblich eine adlige Abstammung besitzt. Sie ordnet an, die Bäume im Garten als Bauholz zu fällen. Ein starker Sandsturm vernichtet die Ernte und die Vorräte, der sonst von den Bäumen aufgehalten wurde. Eine Hungersnot breitet sich in Manderlay aus.

Die Situation wird schlimmer, bis eine der Schwarzen an Unterernährung stirbt. Es stellt sich heraus, dass eine der anderen Frauen die Rationen von Claire, der Gestorbenen, aufgegessen hat. Nach Graces neuen Regeln muss Wilma, die Diebin, bestraft werden. Sie stimmen ab und Wilma wird zum Tod verurteilt. Da sie einen Racheakt durch Claires Vater vermeiden will, erschießt Grace die Frau am Ende selbst. Danach bricht sie zusammen.

Ein neuer Hoffnungsschub lässt die Bewohner der Plantage wieder arbeiten. Sie entfernen den Sand und retten die Ernte. Dies führt zur Eingliederung der Weißen in die Gemeinde und die Handlanger von Graces Vater verlassen den Ort. Grace und Timothy verbringen die Nacht zusammen.

Am nächsten Morgen findet sie den Ort im Chaos vor. Der vermutete Täter wurde bereits erschlagen und auch eine der anderen Frauen wurde ermordet.Es stellt sich heraus das Timothy das Geld verspielte und nicht von edler Abstammung ist. Hätte Grace Mams Gesetzt aufmerksamer gelesen, hätte sie diesen Umstand bemerkt. Ihr wird klar, dass es sich bei Mams Gesetzt nicht um eine Sklaventreiberei handelte, sondern um das Beibehalten des Status Quo.

Die Schwarzen bräuchten eine gewohnte Lebensweise in diesem immer noch sehr rassistischen Land. Freiheit ist hier eine Last und ein Privileg. Die Schwarzen erfahren davon und wollen wieder zurück zu ihrem alten Zustand. Grace soll den Platz der Mam einnehmen aber sie lehnt ab. Die Bewohner zwingen sie.

Sie flieht zum Schluss von der Plantage, nachdem sie bei der Auspeitschung von Timothy mitgeholfen hat. Ihr Vater, der sie eigentlich abholen wollte, ließ sie zurück als er sie bei der Auspeitschung sah. Seiner Annahme nach, habe sie die Plantage gut im Griff und er hat sich keine weiteren Sorgen um sie gemacht.

Zum Schluss des Films sehen wir Originalfotos aus den USA. Polizeigewalt, Demonstrationen, Martin Luther King, der Ku-Klux-Klan und weitere Bilder von Lynchjustiz und Gräueltaten.

Fazit & Kritiken zum Film Manderlay

Wir untersuchen Rassismus, die üblichen Wahrnehmungen und Missverständnisse von Negern, und wie wahrgenommene Segregation und Klassifizierung. Dennoch ist Manderlay ein komplizierter Film, der mehrere Interpretationen zulässt. Einige interpretieren ihn als rassistisch und antiamerikanisch. Andere sehen darin eine Verurteilung von Bushs Irakkrieg. Vor allem aber, ist er eine Kritik der amerikanischen liberalen Politik.

Eine Verurteilung der konservativen Rassenpolitik ist der Ausgangspunkt. Der komplizierte Stil und die extreme Handlung des Films erzeugen absichtliche Unruhe. Wie kann man Demokratie erreichen, wenn die Menschen sie nicht durch Praxis und kollektive Erinnerung gelernt haben? Wie lässt man Menschen ihre Freiheit schätzen und für ihr eigenes Schicksal verantwortlich sein? Es ist doch so viel bequemer, jemand anderen für dieses verantwortlich zu machen.

Manderlay ist provokant, bahnbrechend, manchmal protzig aber niemals langweilig. Sehenswert, auch ohne den ersten Teil „Dogville“ gesehen zu haben.

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