Freistatt

Bei „Freistatt“ handelt es sich um einen deutschen Film aus dem Jahre 2015. Er spricht über ein sehr intensives Thema: die übergriffigen und entwürdigenden Methoden in den kirchlichen Erziehungsheimen der späten 1960er-Jahre. Viele Menschen äußern sich, dass die Umstände in den Heimen einem Knast glichen: verschlossene Türen, vergitterte Fenster, um nur einiges zu nennen. Die ganze Tragweite wird mit einem persönlichen Beispiel thematisiert.

Dauer: 108 Min.
FSK: ab 12 Jahren
Jahr:
Regie: Marc Brummund
Produzenten: Rüdiger Heinze, Stefan Sporbert
Hauptdarsteller: Louis Hofmann, Alexander Held, Max Riemelt
Nebendarsteller: Uwe Bohm, Katharina Lorenz, Enno Trebs
Genre: Drama
Studio: Zum Goldenen Lamm Filmproduktion
Sprachen: Deutsch

Premiere feierte „Freistatt“ auf dem Max-Ophüls-Filmfestival und konnte dort sogar den Publikumspreis der Jugendjury abgreifen. Kinostart in Deutschland war am 25. Juni 2015. Jedoch erfolgte eine Erstausstrahlung im Fernsehen erst im Januar 2017 auf ARTE. Andere Sender nutzen die Fernsehfreigabe auch im Laufe der Zeit.

Freistatt – Besetzung / Darsteller, Regie und Drehorte

Marc Brummund führte über eine Länge von 104 Minuten Laufzeit Regie und konnte mit dem Ergebnis eine Altersfreigabe ab 12 Jahren erreichen. Der Regisseur wurde im März 1970 in Diepholz geboren und arbeitet zeitgleich auch als Drehbuchautor für „Freistatt„. Die Geschichte schrieb er zusammen mit Nicole Armbruster.

Hintergrund der Dreharbeiten war ein Beitrag zur Aufarbeitung der Vergangenheit. Deswegen erhielt das Filmteam Unterstützung durch die Bodelschwinghsche Stiftung Bethel. Im Jahre 1968 war diese Stiftung Träger der gezeigten Einrichtung. Heute führt diese Einrichtung die Diakonie Freistatt in Freistatt. Mit in der Produktion arbeiteten Rüdiger Heinze und Stefan Sporbert. Kamerafrau Judith Kaufmann filmte die aussagekräftige Besetzung: Louis Hofmann zeigt den Zuschauern den Jugendlichen Wolfgang. Katharina Lorenz bringt die Mutter von Wolfgang auf die Leinwand, Ingrid. Uwe Bohm interpretiert den Charakter Heinz, also den Stiefvater von Wolfgang. Weitere Darbietungen stammen von: Alexander Held, Stephan Grossmann, Max Riemelt, Anna Bullard-Werner, Enno Trebs, Langston Uibel, Justus Rosenkranz, Ole Joensson, Megan Gay und Hans Peter Korff. Die musikalische Darbietung wurde von Anne Nikitin vermittelt und der Schnitt erfolgte von Hans Funck.

Unterrichtsmaterial zum Film: Filmheft

Handlung & Story vom Film „Freistatt“

Sommer 1968: Wolfgang Sievers stammt aus Osnabrück und ist 14 Jahre jung. Eigentlich ist er ein lebensfroher und übermütiger Junge. Nur leider verachtet er seinen Stiefvater und widersetzt sich ihm wiederholt. Daraufhin wird Wolfgang, gegen den Willen der Mutter, in das Erziehungsheim Moorhort der Diakonie Freistatt abgeschoben. Anfänglich begegnet ihm der Hausvater Brockmann freundlich.

Unter dem christlichen Deckmantel befindet sich ein Heim mit einem Kasernen-ähnlichen Drill. Direkt am ersten Tag kassiert Wolfgang die Strafe des schwächlichen Jungen Mattis: Der von Bernd, dem „Ranghöchsten“, ohne ersichtlichen Grund gezüchtigt werden soll. Der Jugendliche verfügt über einen empfindlichen Sinn für Gerechtigkeit, was ihn bei vielen unbeliebt macht. Einzig und allein der scheue afrodeutsche Anton, angeblich aus Osnabrück, sucht seine Freundschaft.

Tagsüber sind die Zöglinge im Moor beim Torfstechen. Anfänglich soll Wolfgang in Holzschuhen arbeiten, nach zwei Monaten sollen Stiefel ankommen. Nach seiner Beschwerde darüber schlägt Bruder Wilde ihn mit dem Spaten nieder. So steht die erste Flucht an, die kläglich scheitert. Solche Vorkommnisse führen zu Kollektivstrafen, die individuelle Bestrafung übernimmt die Gruppe selbst. Wolfgang gerät immer wieder in Konflikte mit Bernd. Dieser möchte Wolfgang nur schützen, denn in Freistatt überlebt man nur mit Anpassung.

Brockmanns Tochter Angelika steht auf Wolfgang. Sie kann einen Brief an Wolfgangs Mutter übergeben, indem sich die Bitte um Abholung befindet. Als Gegenleistung streichelt Wolfgang sie. Doch als sie von Brockmann erwischt werden, dreht Angelika die Szene um. Wolfgang habe sie belästigt. So muss die gesamte Gruppe auf ihr Essen verzichten. Immer wieder versucht Wolfgang, sich durchzusetzen bis er mit dem Ochsenziemer so misshandelt wird, dass er von der Gruppe in den Schlafsaal getragen wird. Seine Charakterstärke imponiert den Jungen.

An Heiligabend befindet sich Wolfgangs Lieblingskuchen, Kalter Hund nach der Art seiner Mutter, auf dem Tisch. So liegt die Vermutung nahe, dass sie ihm durchaus geschrieben hat. Leider werden alle Sendungen abgefangen. Bei einer weiteren Auseinandersetzung wird Bruder Wilde von Wolfgang hinterrücks mit dem Spaten geschlagen und schwer verletzt. Anton und Wolfgang fliehen durch das Moor nach Osnabrück. Dort angekommen kommt heraus, dass Anton kein Ziel und keine Eltern mehr hat. Er hofft bei Wolfgang unterzukommen, doch das hält dieser für unmöglich und lässt ihn mit etwas Kleingeld auf der Straße zurück.

Seine Mutter begrüßt ihn freundlich. Doch der Stiefvater hat bereits Brockmann informiert. Vater und Mutter bringen ihn selbst ins Heim zurück. Aber zur Besichtigung der Verhältnisse dort kommt es nicht. Kurz darauf ist ein weiterer Vorfall aktuell, bei dem sich Anton erhängt. Diese Situation bricht Wolfgangs Charakter.

Schnitt ins Jahr 1970: Wolfgang kann Bernds Rolle übernehmen. Eines Tages wird Wolfgang entlassen. Aber zu Hause fühlt er sich nicht mehr wohl und läuft weg. Das Ende bleibt offen.

Fazit & Kritiken zum Film „Freistatt“

Der intensive Debütfilm „Freistatt“ von Marc Brummunds beleuchtet ein erst neuerlich diskutiertes, düsteres Kapitel der Nachkriegsgeschichte in Deutschland. Es handelt von einem institutionalisierten Missbrauch von Jugendlichen, meistens in kirchlich geführten Einrichtungen. Mit dieser guten Arbeit konnte das Drehbuch mit dem Emder Drehbuchpreis 2012 und mit dem Deutschen Drehbuchpreis 2013 ausgezeichnet werden. Die vielfach ausgezeichnete Kamerafrau findet eine eigene blumige Bildsprache für die Darstellung.

Ein weiteres Plus bieten die hervorragenden Darsteller. Dazu gehören Uwe Bohm, Katharina Lorenz, Alexander Held, sowie Max Riemelt und Stephan Grossmann. Auf den ersten Blick wirkt es für den interessierten Zuschauer, als könnte Louis Hofmann kein Wässerchen trüben. Aber an genau den richtigen Stellen blitzt eine Spur Verschlagenheit, Härte und Boshaftigkeit auf. So verleiht er dem aufmüpfigen Jugendlichen den nötigen Schliff. Selbst die vielversprechenden Newcomer wie Enno Trebs, Langston Uibel und Anna Bullard leisten im Film gute Arbeit.

Marc Brummund lenkt den Blick auf die skandalösen Zustände in dem kirchlichen Erziehungsheim, wobei das Jugenddrama hauptsächlich durch die imposante Darbietung von Wolfgang überzeugt.

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