Half Moon

Half Moon“ ist ein eigenwilliges Roadmovie, bei dem sich eine Reihe kurdischer Musiker, darunter der alte Sänger Mamo aufmachen, um in Erbil im Irak ihr letztes Konzert zu geben. Mit seinem orangefarbenen Bus fährt sie Kako durch die orientalische Steinwüste.

Dauer: 114 Min.
FSK: ab 12 Jahren
Jahr:
Regie: Bahman Ghobadi
Produzenten: Simon Field, Keith Griffiths, Abbass Ghazali, Bahman Ghobadi, Behrooz Hashemian, Hedieh Tehrani
Hauptdarsteller: Ismail Ghaffari, Hedieh Tehrani
Nebendarsteller: Golshifteh Farahani, Allah-Morad Rashtian
Genre: Drama
Studio: Alive – Vertrieb und Marketing
Sprachen: English (Untertitel)

Unterwegs nehmen sie die verbannte Sängerin Hesho mit, obwohl diese im Iran nicht öffentlich singen darf. Bei einer Grenzkontrolle wird sie entdeckt und verhaftet, zudem dürfen drei von Mamos Söhnen nicht einreisen. Letztendlich werden von den Soldaten die Musikinstrumente zerstört. Eine ausweglose Situation für den alten Mamo, bis Niwemang erscheint. Über die türkische Grenze will sie ihn an das Ziel seiner Träume bringen.

Half Moon – Besetzung / Darsteller, Regie und Drehorte

Bahman Ghobadi ist einer der angesehensten Filmemacher mit kurdischen Wurzeln im Iran. Mit Filmen wie „Zeit der trunkenen Pferde“ oder „Schildkröten können Fliegen“, greift er realitätsgetreu das Leben der Kurden, ein Volk ohne jegliches Besitztum. In „Half Moon„, in der kurdischen Sprache „Niwemang“, greift er ebenfalls die Thematik der vorherigen Filme auf. Denn ganz gleich, ob ein Junge und sein Muli oder ein Bus voller Musiker, seine Protagonisten werden mit den Schikanen an der Grenze, Landminen und Hinterhalten konfrontiert, die ihr Leben in Gefahr bringen.

Bei „Half Moon“ führte Ghobadi Regie und schrieb auch das Drehbuch. Bei der Produktion unterstützten ihn Simon Field, Keith Griffith, Abbass Ghazali, Behrooz Hashemian und Hedieh Tehrani. Hinter der Kamera standen Nigel Bluck und Crighton Bone. Die Filmmusik stammt von einem der größten Künstler des Iran, Hossein Alizadeh. Sein Album „The Endless Vision“ wurde 2007 mit dem Grammy ausgezeichnet.

Besetzt wurde der Film neben Ismail Ghaffari, mit Hedieh Tehrani und Golshifteh Farahani. Diese verließ aufgrund politischen Drucks, der nach dem Dreh des amerikanischen Thrillers „Der Mann, der niemals lebte“ auf sie ausgeübt wurde, 2009 den Iran. Drehort der Tragikomödie waren im iranischen Kurdistan und in Teilen des Irak.

Ausgezeichnet wurde „Half Moon“ mit dem International Istanbul Publikumspreis und am Film Festival San Sebastián mit der Goldenen Muschel und dem FIPRESCI-Preis.

Handlung & Story vom Film „Half Moon“

Kurden, eine iranische Volksgruppe haben kein eigenes Land, denn Kurdistan ist kein eigenständiger Staat. Sie leben in der Türkei, Syrien, Iran und dem Irak, wo sie unterdrückt und verfolgt werden. Kein Wunder also, dass sich der alte Mamo freut, als die Nachricht vom Sturz des Diktators Saddam Hussein die Runde macht. Und noch erfreulicher für den Sänger, er hat eine Genehmigung zur Teilnahme an einem Konzert in Erbil erhalten. Gemeinsam mit seinen bereits erwachsenen Söhnen plant er diesen Auftritt.

Er wird zwar von den Dorfältesten gewarnt, diese Reise nicht anzutreten, aber was sich Mamo in den Kopf setzt, dass zieht er auch durch. Sieben Monate hat er schließlich auf sein Visum gewartet und jetzt soll er auf seinen Traum verzichten? Nein.

Kako, leitet gerade einen Hahnenkampf, als ihn Mamos Anruf erreicht. Er soll mit seinem alten Minibus, die Musiker an ihren Zielpunkt bringen. Bevor Kako in Eile seine verdutzten Wettspieler verlässt, ruft er Ihnen zu: „Weder Sieg noch Niederlage zählen mehr als der Tod!“ Eine Ironie, denn der Tod wird sie begleiten.

Schon länger wird Mamo von bösen Visionen heimgesucht, die sich immer mehr häufen. Immer wieder sieht er sich in einem Grab mit geöffneten Augen liegen. Daneben steht der Sarg.

Der orangefarbene Bus oder wie Kako ihn nennt, der „Kurdische Adler“, setzt sich in Bewegung. Als der letzte Sohn einsteigt, will auch dieser ihn von der Fahrt abhalten. Denn er hätte von einer Wahrsagerin gehört, dass am 14. Tag nach Vollmond ein Unglück auf sie zukommen würde. Doch Mamo lässt sich nicht beirren. Im Gegenteil, er drängt noch mehr zur Eile. In einem abgelegenen Bergdorf, in denen 1300 Sängerinnen gefangen gehalten werden, machen sie Halt. Mamo will seine Tochter Hesho, eine Sängerin mitnehmen. Denn er braucht bei seinem Auftritt noch eine weibliche Gesangsstimme.

Doch nun begibt er sich in die Illegalität. Denn im Iran ist der Gesang von Frauen verboten, der gleich der sagenumwobenen Sirenen, von den Männern nicht gehört werden darf. Mamos Söhne sind verärgert über die neue Mitbegleiterin, müssen sich aber den Willen ihres Vaters beugen. Und nun beginnen die Probleme.

Bei Kontrollen werden ihre Instrumente zerstört und drei seiner Söhne müssen aufgrund fehlender Papiere die Rückreise antreten. Doch es kommt noch schlimmer. Als der Bus von oben bis unten gefilzt wird, finden die Grenzbeamten Hesho und sie wird verhaftet.

Mamo resigniert. Doch Rettung ist in Sicht, denn das Mädchen Niwemang bringt den Sänger über die Türkei in den Irak. Doch Erbil wird er nicht mehr lebend erreichen.

Fazit & Kritiken zum Film „Half Moon“

Mit dem Werk „Half Moon“ zeigt der Regisseur Bahman Ghobadi zum dritten Mal einen Film über die Schwierigkeiten der Kurden, die in vier Ländern beheimatet sind. Seine Filme sind ein Spiel zwischen Tragik und Komik, mit der das kurdische Volk seit Jahrhunderten lebt. Denn tragisch ist ihr Schicksal, glücklich sind sie in ihrer Musik.

Mamo, ein typisch kurdischer Mann hat lange in Unterdrückung gelebt. Jetzt besteht die Möglichkeit im Irak, die verbotene kurdische Musik vor Publikum zu spielen. Und das wird zu seiner letzten Mission. Mit Hesho, der Sängerin setzt Ghobadi ein Zeichen für alle iranischen Musikerinnen, die zu Hause inhaftiert sind, um nicht in der Öffentlichkeit ihr Talent zu zeigen.

Die weibliche Gesangsstimme, die im Hintergrund erklingt, gehört einer Studentin des Komponisten Hossein Alizadeh. Vermutlich mit ein Grund, weshalb der Film im Iran verboten wurde.

Mit „Half Moon“ gelang dem Regisseur Bahman Ghobani zum wiederholten Male ein eindrucksvoller Film mit faszinierenden Bildern und realitätsnaher Darstellung. Ein Einblick in ein Leben, das trotz seiner anfänglichen Komik letzten Endes Menschen, die in Freiheit aufwachsen, sehr nachdenklich macht.

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