Medikamente & Co.: Was hilft wirklich gegen Flugangst?

Angst vor dem FliegenGanz egal, ob “das Flugzeug ist statistisch gesehen das sicherste Verkehrsmittel” oder “durch ein paar kleine Turbulenzen ist noch kein Flug abgestürzt”: Mindestens einen dieser Sätze dürfte wohl jeder Mensch mit einer ausgeprägten Flugangst schon mal gehört haben – und das in den meisten Fällen von der Familie oder Freunden, die das Gefühl selbst gar nicht nachvollziehen können. Solche Ratschläge sind gut gemeint – helfen im Ernstfall aber nur bedingt. In diesem Artikel wollen wir Ihnen deshalb eine Übersicht über Medikamente geben, die Ihre Flugangst lindern können, wenn scheinbar nichts anderes mehr eine Wirkung zeigt.

Wie entsteht Flugangst?

Zu Beginn ein wichtiger Fakt für all diejenigen, die sich bisher nur wenig mit der (eigenen) Flugangst auseinandergesetzt haben: Angst vor dem Fliegen bedeutet nicht zwangsläufig Angst vor dem Abstürzen. Häufig stehen viel mehr Platz- bzw. Höhenangst oder schlechte Erfahrungen auf vorangegangenen Flügen im Mittelpunkt. Weit verbreitet ist auch das sogenannte “Beifahrersyndrom” bei dem es Menschen grundsätzlich schwerfällt, die eigene Sicherheit von den Fähigkeiten anderer Menschen abhängig zu machen.

Verstärkt wird dieser Umstand meistens noch zusätzlich dadurch, dass häufig das Verständnis für die Technik – und die damit verbundene Sicherheit – eines Flugzeugs fehlt. Fliegen hat für die meisten Menschen nach wie vor etwas “magisches”. Für die einen wird die Flugzeugreise dadurch zum Highlight; für die anderen zu ihrem persönlichen Alptraum, der schon Wochen vor Abflug in den Urlaub für innere Unruhe sorgt.

Welche Medikamente helfen gegen Flugangst?

Medikamente gegen FlugangstWenn in Verbindung mit Flugangst das Wort Medikamente fällt, schrillen bei vielen Menschen die Alarmglocken. Der häufigste Rat: Man solle lieber die Ursachen als die Symptome bekämpfen. Statt sich auf Tabletten & Co. zu verlassen, sollen Coachings oder Hypnosen dabei helfen, die Flugangst in den Griff zu bekommen.
 
Dieser Ansatz hat ohne Zweifel einen wahren Kern und ist fast immer gut gemeint – wenn jedoch in naher Zukunft ein Urlaub, ein Familienbesuch oder eine Geschäftsreise anstehen und sich bereits erste Anzeichen von Panik bemerkbar machen, ist es für solche Ratschläge – und vor allem deren Umsetzung – leider meistens zu spät. Im Folgenden soll es deshalb vielmehr um Medikamente gehen, die gewissermaßen als “Soforthilfe” gegen die Flugangst verstanden werden können.

Rezeptfreie Medikamente gegen Flugangst

Flugangst und auch Angstzustände im Allgemeinen gehören zu den Problemen, gegen die im Internet häufig homöopathische Mittel empfohlen werden. Da es für diese nach wie vor keine Beweise über die Wirksamkeit gibt, raten wir Ihnen dazu, besser auf rezeptfreie, pflanzliche Mittel zu setzen, deren Wirkung auf den Körper nachgewiesen sind. Gegen Flugangst kommen dabei beispielsweise Präparate (v. a. Tabletten oder Tropen) mit Baldrian, Johannis- oder Passionsblumenkraut infrage, die Sie ohne Rezept in einer Drogerie kaufen oder direkt bei einer Online-Apotheke wie mycare.de bestellen können.

Baldrian & Johanniskraut:

Baldrian zur Beruhigung der NervenDie Wirkung der pflanzlichen Mittel mit diesen Wirkstoffen ist grundsätzlich sehr ähnlich. Sie wirken entspannend (Johanniskraut zusätzlich sogar stimmungsaufhellend) und können so typischen Flugangst-Symptomen wie leichten Angstzuständen und nervöser Unruhe entgegenwirken. Das “Problem”: Die Präparate haben nur eine eingeschränkte Sofortwirkung, da der Körper frühzeitig an die Wirkstoffe gewöhnt werden muss. Bereits einige Wochen vor dem Flug sollte also schon mit der “Behandlung” begonnen werden, damit die Präparate im Ernstfall auch tatsächlich ihre volle Wirkung entfalten können.

Passionsblumenkraut:

Passionsblumenkraut wirkt beruhigend für Magen und DarmWer auf der Suche nach einer rezeptfreien Soforthilfe gegen die Flugangst ist, kann Tabletten oder Tropfen ausprobieren, die Passionsblumenkraut als einen ihrer Hauptwirkstoffe haben. Dieser wirkt ebenfalls beruhigend und hilft zusätzlich auch bei Magen-Darm-Beschwerden. Der wichtigste Unterschied zu Baldrian und Johanniskraut: Die Präparate entfalten ihre Wirkung auch beim erstmaligen Einnehmen bereits nach 30 – 45 Minuten und können so auch als Reisetablette direkt vor dem Flug eingenommen werden. Erfahrungen haben zudem gezeigt, dass Passionsblumenkraut kaum müder macht und dementsprechend auch die Leistungs- bzw. Konzentrationsfähigkeit erhalten bleibt. Ein wichtiger Aspekt für all diejenigen, die häufig auf wichtigen Geschäftsreisen mit ihrer Flugangst zu kämpfen haben.

Verschreibungspflichtige Medikamente gegen Flugangst

Die pflanzlichen Mittel gegen Flugangst können einen wichtigen Teil zur kurzfristigen Linderung der Probleme beitragen, haben natürlich aber auch immer ihre Grenzen. Wenn die Symptome bei einer schweren Flugangst mehr in die Richtung von Herzrasen, Übelkeit oder bis hin zu leichten Panikattacken gehen, helfen häufig nur verschreibungspflichtige Medikamente. Wichtig: Bei diesen Medikamenten handelt es sich um starke Beruhigungsmittel aus der Gruppe der Benzodiazepine (Tranquilizer), deren Einnahme nicht auf die leichte Schulter genommen werden sollte.

Bevor diese gegen Flugangst verschrieben werden, führen Ärzte deshalb für gewöhnlich auch ein ausführliches Beratungsgespräch, in dem unter anderem Aspekte wie Ursachen, Symptome und Schwere der Flugangst genauer betrachtet und potenzielle, alternative Behandlungsmethoden besprochen werden. Nur wenn ein Arzt davon überzeugt ist, dass es keine ähnlich wirksame Alternative gibt und sämtliche Risiken (z. B. Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten, Vorerkrankungen) ausgeschlossen werden können, dürfen solche rezeptpflichtigen Mittel gegen Flugangst verschrieben werden. Zusätzlich wird auch untersucht, ob körperliche Ursachen (z. B. niedriger Blutzuckerspiegel) für die Probleme verantwortlich sein könnten.

Zu den Wirkstoffen, die infrage kommen, gehören vor allem Diazepam, Lorazepam und Oxazepam, die allesamt Unterschiede in ihrer Wirkung haben.

Lorazepam:

Der Wirkstoff ist in Deutschland vor allem durch seine Verwendung im Medikament Tavor bekannt. Dieses wirkt stark beruhigend und angstlösend. Die Wirkung der Tabletten setzt nach ca. 30 – 45 Minuten ein und kann je nach Dosierung bis zu 12 Stunden anhalten, weshalb Lorazepam-Präparate vor allem für Langzeitflüge verschrieben werden. Da Tavor vor allem angstlösend ist, wirkt es vorrangig auf psychischer Ebene. Leichte Beeinträchtigungen (z. B. Konzentrationsstörungen, Verwirrtheitszustände, Gedächtnislücken) sind dadurch “normale” Nebenwirkungen und können auch bis zu 20 Stunden nach der Einnahme bestehen bleiben.

Diazepam:

Als Alternative zu Tavor wird in Deutschland häufig das Medikament Valium mit dem Wirkstoff Diazepam verschrieben. Im Gegensatz zu Tavor wirkt Valium mehr auf der körperlichen Ebene und hilft so beispielsweise bei der Muskelentspannung, wodurch es auch eher den Effekt eines Schlafmittels hat. Wer vor Flügen Valium einnimmt, sollte sich deshalb darüber im Klaren sein, dass es zu einem Benommenheitszustand kommt. Der enthaltene Wirkstoff wird vom Körper wesentlich langsamer abgebaut, sodass die Wirkung von Valium länger anhält.

Oxazepam:

Präparate mit diesem Wirkstoff sind in Deutschland weniger verbreitet, können für viele Flugangst-Patienten aber so etwas wie das richtige Mittelmaß darstellen. Oxazepam ist vor allem wirkungsvoll gegen Angstzustände, hat jedoch eine kürzere Wirkungsdauer als beispielsweise Lorazepam und sorgt für eine weniger starke Benommenheit als Diazepam. Wichtig: Je nach Medikament dauert es bei Oxazepam etwas länger bis zum vollen Wirkungseintritt – das sollte vor dem Flug mit eingeplant werden.

Fazit: Tipps & Medikamente gegen Flugangst

An dieser Stelle eine wichtige Wiederholung: Insbesondere verschreibungspflichtige Beruhigungsmedikamente sind nichts, was man auf die leichte Schulter nehmen sollte. Neben der angesprochenen Benommenheit und Konzentrationsstörungen gehören unter anderem auch Koordinationsschwierigkeiten, Schwindel und Verwirrung zu den häufigsten Nebenwirkungen – viele Erfahrungen berichten auch von einer Art “Kater”, wie man ihn vom Alkohol kennt.

Wer solche Medikamente einnimmt, sollte am selben Tag und auch am Tag darauf deshalb besser nicht alleine unterwegs sein und keinesfalls Auto oder Fahrrad fahren. Wenn Sie die Medikamente gezielt gegen Flugangst einnehmen, sollte der folgende Punkt zwar ohnehin eine ungeordnete Rolle spielen, erwähnt werden muss er aber in jedem Fall: Wie von vielen anderen Medikamenten, geht auch von Benzodiazepine eine Suchtgefahr aus. Insbesondere Vielflieger sollten sich deshalb nicht dauerhaft auf die Wirkung verlassen, sondern möglichst viele Alternativen ausprobieren, um der Flugangst im Kern entgegenzuwirken.

Zum verantwortungsvollen Umgang gehört ergänzend zu einem Einführungsgespräch mit dem verschreibenden Arzt auch, die Medikamente vorab zu testen, um besser zu wissen, worauf man sich während des Flugs einstellen muss. Selbstverständlich sollte man für diesen “Test” einen Tag auswählen, an dem keinerlei andere Aufgaben auf dem Plan stehen.

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